1)
Es schlägt die Uhr dreiviertelacht,
nun ist es bald soweit.
An alles hab’ ich wohlgedacht,
so langsam läuft die Zeit.
2)
Der Wein ist bestens temperiert,
es strahlt nur mildes Licht.
Die Tür hab’ ich noch mal geschmiert,
ich hoff’, sie quietscht nun nicht.
3)
Damit die Wirtin nichts bemerkt,
stell ich die Klingel ab.
Schnell einen Cognac, der mich stärkt,
hm, der war nicht so knapp.
4)
Der Alkohol ist wunderbar,
mir wird der Sinn so leicht.
Der Wein so süffig und so klar
und meine Hemmung weicht.
5)
Rasch ist ein zweites Glas gefüllt,
ein drittes folgt sodann,
vom Geist des Weines eingehüllt,
fühl ich mich ganz als Mann.
6)
Da plötzlich öffnet sich die Tür,
sie gleitet leis herein.
Ein leichtes Beben ich verspühr
vor Hoffen und vom Wein.
7)
Schnell ist der Mantel abgelegt,
sie sinkt in meinen Arm.
Von heißen Küssen angeregt,
wird ihr das Herz so warm.
8)
Den Wein herbei; nun soll’s sich zeigen
ob er die Liebe schürt,
ob süße Liebesglut ihm eigen,
und ihr das Herz betört.
9)
Von Wein und Kuß, von Kuß und Wein
berauscht sind alle Sinne.
Mit uns`rer Liebe ganz allein
weiß nicht wie ich’s beginne.
10)
Wo fang ich an, was wird sie sagen,
die Knie mir heftig zittern.
Zur Couch muß ich sie zärtlich tragen,
dann wird sie etwas wittern.
11)
Sie läßt’s geschehen, ich bin entzückt,
mein Herz schlägt wild dabei,
so weit nun ist es mir geglückt,
da bin ich froh und frei.
12)
Sacht’gleitet meine Hand durch`s Haar,
verschließ den Mund mit Küssen,
sanft mit der Hand zum Busen fahr,
vom Kleide noch umschlossen.
13)
Die Hand will keine Ruhe geben,
knöft auf des Körpers Hülle.
Ich spüre leis ihr Widerstreben,
da küss ich sie, nun liegt sie stille.
14)
Rasch ist das Kleid vom Leibe,
das Hemdchen noch dazu.
Ich knie vor dem Weibe,
sie flüstert: küss’ mich du !
15)
Im heißen Liebeszauberspiel
entrückt für uns die Welt.
Für Raum und Zeit bleibt kein Gefühl,
wenn Herz zu Herz gesellt.
16)
Ach, möge diese eine Nacht
mit keiner Stunde enden !
Nun schlafe wohl, ich küss`sie sacht,
halt’ sie mit meinen Händen.
17)
Doch plötzlich bin ich aufgewacht,
mein Gott ich hab’ geträumt,
verschlief im Sessel diese Nacht,
hab’ alles nun versäumt.
© Hugo Schröder
Midi: "Finale"
(Symphony 101 in D-major)
(Uhr or Clock Symphony)
Composer: Franz Joseph Haydn
Sequencer:Paul C. Dickie
(www.laurasmidiheaven.com)
Graphics: Hugo Schröder