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EINE ERINNERUNG VON DAMALS


Der 2.Weltkrieg.

Ich, Ernst Derenko, geboren in Wien, am 12. Mai 1933,
möchte ein wenig aus meinen Erinnerungen, für die Nachwelt
niederschreiben.

1944-45 ..... da war ich so 11-12 Jahre alt. Meine Mutter, meine
kleine Schwester Anneliese und ich, wir wurden wegen der
Bomben, von Wien nach Aigen-Schlägl in das ruhige Mühlviertel
in Oberösterreich umquartiert.
Das wurde von der Stadt Wien angeordnet und organisiert.
Nach Aigen-Schlägl, das liegt im nördlichen Teil von Österreich,
im Böhmerwald, nahe der damaligen CSR und Bayern.
Mein Vater war Soldat und an der südöstlichen Front.
Jeden Tag kamen die schweren Bomber, sie flogen in
grosser Höhe über uns. Wir Kinder lagen in der Wiese, am Rücken,
mussten keine Angst haben und sahen den vielen Flugzeugen zu.
Und die Luft dröhnte von den Motoren.
Dort oben in Oberösterreich wurden nie Bomben abgeworfen.
Aber, ...... alle 2 Monate fuhren meine Mutter mit uns
Kinder mit der Eisenbahn nach Wien, nach Hause in die
Stadtwohnung, um zu schauen ob alles noch da ist und in Ordnung ist.
Und da kamen wir in einmal in eine schwere Bombardierung
von Wien. Fliegeralarm, die Sirenen heulten, alles schnell
in den Keller. Wir waren nicht in unserer Wohnung, sondern
unterwegs auf der Strasse. Und wurden in den Kellern einer
alten Kirche (Servitenkirche 9.Bezirk) hinein gedrängt.
Ich sehe diese Bilder heute noch vor mir, wie wenn es gestern wäre,
kann das nicht vergessen. Ziegelgewölbekeller, die Leute
sitzen und stehen eng beinander, sie weinen, manche knieen,
beten laut, zittern. Drücken die Kinder an sich.
Es kracht und donnert, der Boden wackelt, Dreck, Sand und
Verputz fallt von oben auf uns.
So 10 Minuten lang, aber, ...... uns passiert nichts.
Dann Entwarnung, wir gehen hinaus und sehen was los ist.
Alles ist in grosser Aufregung.
Einige Bomben haben in unseren Wohnbereich eingeschlagen.
Wir eilen zu unseren Zinshaus, zu unserer Wohnung. Dort sehen wir,
das eine Fliegerbombe vor unseren Haus, Rögergasse 4,
in der Mitte der Strasse einen riesigen Krater gerissen hat.
So an die 5-6 Meter tief.
Die Häuser stehen noch.
Doch die Hausfassaden rundum waren "abgeräumt", schwer
beschägigt, ohne Verputz, ohne Gesimse, Verzierungen, ohne
Dach-u.Fensterbleche. Alle Fensterscheiben hin, Fensterrahmen
zum Teil stark beschädigt, das Haustor heraus gerissen und durch den
Hausflur bis in den Hof geschleudert. Alles voll Dreck und Schutt.
Die Strassen-Pflastersteine wurden von der Bombe aus der Strasse
herausgerissen und flogen dann wieder herunter, richteten
grossen Schaden an. Die Drähte der Strassenbeleuchtung hingen
abgerissen herunter. Wir klettern über den ganzen Schutt zu
unserer Wohnung im 2.Stock. Alle Fenster hin, die Wohnung
sonst ohne Schaden. Alles voll Dreck und Glasscherben.
Dann hat meine Mutter die Fenster mit Pappe, Leisten und
Papier halbwegs dicht gemacht ....... und aufgeräumt.
Ja, das war ein grosses Erlebnis für mich.
Meine Schwester war damals erst 2 Jahre alt und was die
Frauen und Mütter damals alles durchstehen mussten!
Ein Wahnsinn!
Und wenn ich so zurück denke, gehen meine Gefühle durch,
............ werden meine Augen feucht.
Eine schwere Zeit und dann die ersten Jahre nach 1945?
Mir ist es in Aigen-Schlägl halbwegs gut gegangen,
wir mussten am Land, bei den Bauern nicht hungern.
Die Sowjetarmee hatte Wien eingenommen und besetzt.
Meine Frau, damals ein Kind mit etwa 11 Jahre,
wäre 1945-46 in Wien beinahe verhungert.
...........
So, heute genug von den grauslichen Zeiten geschrieben.
Aber ich finde es gut, wenn man sich diese Erinnerungen
von der Seele schreiben kann.


Ernst Derenko
© September 1998

Musik: "Les Roses d'Ispahan"
Komponist: Gabriel Urbain Faure

Foto: "Ernst und Bruni Derenko"

 

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